Das erste Kerzerl brennt (Wegen Reichtum geschlossen!)

.. dann doch glatt auch bei mir schon am 1. Advent.

Adventsstanga 2013-12-012

Adventsstanga 2013-12-011

Es kam die letzten Jahre vor lauter Weihnachts- und Marktäktschn quasi so gut wie gar nicht mehr vor. Aber heuer brennt das erste Kerzerl auf meinem – ja wie nenn ichs, Kranz isses keiner, Gesteck auch nicht, nenn ichs Adventsmeter – pünktlich am ersten Advent. Die alljährlichen Kugeln haben sichs unter Weingläsern gemütlich gemacht, dazu ein altes Stadlbrett, ein paar feine alte Spitzen (danke Ulla!) und kugelrunde Kerzen. Fertig ist ein Stück neue Adventszeit. Dazu der gute alte schatzgehütete Adventskalender, der mich schon mein Leben lang begleitet, ein paar selbst gebackene Plätzchen und ein wenig Zeit. Meine Lebenszeit.

Adventsstanga 2013-12-01

Die Adventszeit kann kommen.

Lange hab ich überlegt, wie ich die Marktsaison gestalten soll. Die letzten Jahre hatte ich mit Brotjob und Markt + Onlineladen Nummer 1 und Nummer 2 quasi gar keine wirkliche Vorweihnachtszeit, sondern nur noch Warenlager und Produktionsstätte in meiner Bude. Der örtliche Weihnachtsmarkt hat sich mehr und mehr zu einer Fressstandaneinanderreihung mit dekorativen Standelementen entwickelt. Nicht das, wo ich mit meinen Sachen richtig bin. Nicht das, wo ich tagelang stehen will und als Informations- und Inspirationszentrum (.. des kann i au selba baschtln) dienen mag.

Drum bin ich nicht mehr dabei.
Ich habe Nein gesagt!

Ein weiteres Ding der Unmöglichkeit ist die Rabattmentalität von Dawanda, dem Anbieter, bei dem ich mit meinen beiden Läden momentan noch bin. Jahr um Jahr versucht dieser Anbieter den Shopinhabern zu suggerieren, dass sie, wenn sie !Alle! ihre Produkte in der Vorweihnachtszeit für 2 Wochen zu einem vorgegebenen Rabatt anzubieten besonders viel Gewinn machen und damit besonders beworben zu werden. Es braucht kein BWL-Studium um sich auszurechnen, dass individuell hergestellte, handwerkliche Produkte, die meist von Einzelpersonen gefertigt werden, die neben der Herstellung auch die Buchhaltung, die Ideenentwicklung, die Versandabteilung, die Sekretärin, die Logistik, die Lageristen und die Putzfrau sind, nicht wirklich geeignete Produkte sind um große Rabattspannen bieten zu können. (Schachtelsatz, yeah!) Wie gesagt, es handelt sich um Handwerk. Um Können. Um Individualität. Um Leidenschaft! Wer dran verdient, ist klar. Der Anbieter, der Gebühren dafür bekommt.
Nebenzu noch die Unart auf einer Verkaufsplattform nur noch mit DIYs zu werben, sprich Anleitungen um Dinge selbst herzustellen, mit denen andere auf eben dieser Plattform ihren Lebensunterhalt verdienen wollen oder müssen.

Drum bin ich nicht mehr dabei.
Ich habe Nein gesagt!

Es braucht im Schneller, Höher, Weiter manchmal Mut.
Mut Nein zu sagen.
Mut eigene Wege zu gehen und sich nicht von allgemeinem „Du musst, sonst gehst du unter…“ anstecken zu lassen.
Denn so gern ich ich neues Entwickle, Ideen umsetze, tüftle, verwerfe, umdenke und Feines, Neues daraus entstehen lasse, ich mach das nicht um jeden Preis.
Bei aller Freude, die mir die Herstellung meiner Produkte macht, ich verkaufe um Geld zu verdienen. Um damit Kosten zu decken und am Ende auch was übrig zu haben. Ja, meine Zeit kostet Geld. Das bin ich mir wert. Drunter mach ichs nicht.

Oder, wie ich heute wieder in einer Werkstatt gelesen habe:
Ich weiß, dass ich es wert bin, für gute Arbeit gut bezahlt zu werden.

Ich bin mir sicher, es gibt Menschen, die Handwerk wertschätzen. Erst letzte Woche auf einem tollen Markt in Österreich habe ich genau das wieder erfahren. Nicht, dass ich deshalb jetzt wegen Reichtum geschlossen habe.
Nein, ich bin reich. An Erfahrungen und an Ideen.
Neben dem direkten Kontakt mit den Kunden und feinen Verkäufen ist auch verbalisierte Wertschätzung Gold wert. Lässt mich weiter machen. Meinen Weg gehen. Aus Überzeugung.

Jetzt ist wieder Weihnachtsmarktzeit. Wenn man Zeit dafür hat eine feine Zeit. Zeit um Freunde zu treffen, Glühwein zu trinken und sich umzusehen. Aber auch Zeit um inne zu halten.
Zu überlegen was auf den Gabentisch soll.
Was Freude bringt.
Und Nachhaltig ist.

Weil etwas hergestellt wurde.
Wer es gemacht hat.

Die Entscheidung kann jeder selbst treffen. Vielleicht lässt sich der ein oder andere ja inspirieren, mal über handwerklich hergestellte Produkte nachzudenken. Und diese bei den Handwerkern direkt zu kaufen. Ob auf dem Weihnachtsmarkt oder online. Die Kunsthandwerker freuen sich, wenn sie nicht nur als Dekoration auf den Märkten stehen. Und auch die Onlinekunsthandwerker freuen sich, wenn ihre Arbeit honoriert und wertgeschätzt wird. Wenn ihre einzigartigen Stücke einen neuen Besitzer finden, der sie schätzt.

Ich gehe die nächsten Wochenenden auf Weihnachtsmärkte und in die kleinen Läden im Ort. Dort werd ich sicher Dinge finden, die meinen Lieben Freude bereiten.

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18 Kommentare zu “Das erste Kerzerl brennt (Wegen Reichtum geschlossen!)

    • …du sprichst mir aus der Seele. Gestern, das war traurig – und das Feeling dennoch irgendwie schön – scheint – als würden allen Aussteller beim gegenüber Einkaufen -ein lieber Gruß aus Berlin…

  1. Von der Waschküche hergeleitet und getroffen wie vom Blitz. Du sprichst aus, was ich mir lange denke, wo ich immer noch und immer wieder gegen meine eigenen Interessen handle. Weil „ich als Bloggerin, als Handwerkerin noch nicht genug etabliert bin“. Später-wird-es-anders-denkend. Und rutsche dabei ins gleiche Fahrwasser wie als Kinderbuchillustratorin. Abgespeist von Verlagskonzernen. Verdienen tun die Anderen. An mir. An meiner Arbeit. Danke, liebe Andiva, für dieses Statement! Danke für die Vorlage es Dir gleich zu tun!
    Herzliche Grüße!
    Sonja

  2. Ja, genau so! Bin das sooooo Leid……
    Ich hab meine Konsequenzen bereits mit dem ersten Shop gezogen. Falls jemand Interesse an einem Startpaket von 40 kostenlosen Einstellgebühren bei Etsy haben möchte…einfach über Facebook melden.
    Wünsche eine ganz schöne Adventszeit und viele Ideen, neue Wege zu gehen! 🙂

  3. Über Maschen & Mäuse bei Facebook habe ich hergefunden und ich kann dir wirklich nur aus ganzer Seeler zustimmen! Sowohl „aufgenötigte“ Rabattaktionen als auch das Dasein als Anregung für eigene Basteleien sind nicht in Ordnung. Wenn Handwerk nur noch als Inspirationsquelle fürs Selbermachen dient und ansonsten möglichst billig sein soll, dann läuft etwas absolut falsch.
    Ich danke dir für die klaren Worte.
    Herzliche Grüße
    Andrea

  4. Ich hab‘ die Erfahrung gemacht, dass man „billige“ Ware (klingt schrecklich, ich weiß) noch schlechter los wird, da dann gedacht wird, die Sachen sind von schlechter Qualität.
    Der Weihnachtsmarkt in unserer Stadt sieht folgendermaßen aus: jede Menge Fressbuden, Punschstände und drei Stände mit Weihnachtsdeko und Socken (vom letzten Jahr?). Gegen 19.00 Uhr machte die Freßbude in unserer Ecke dicht, und es wurde nur noch fleißig Punsch gebechert. Das Kinderkarrussel hat man vorsorglich laufen lassen. Kinder waren zwar keine mehr da. Dafür hatten einige alkoholisierte Erwachsene ihren Spaß. Wir haben uns schnell verkrümelt bevor es mit den Verbrüderungszeremonien los geht.
    Ich denke wohl, dass die Menschen übersättigt sind. Und wenn man in gewisse Läden kommt, die mit der Massenware (der dänische Tiger-Store, aber auch Kik) dann wird man feststellen, dass vieles, was wir vor ein, zwei Jahren im Netz als Unikat angeboten hatten, von denen nachproduziert wurde – für nicht einmal ein Drittel des Preises des Kunsthandwerkermarkt versteht sich.
    Der Markt ist überreizt. Da mache ich mir nichts vor. Deshalb konzentriere ich mich schon seit Jahren auf Anleitungen. Selbstgemachtes läuft mehr so nebenbei.
    Liebe Grüße von Inken

  5. Wunderbarer Post! So wahr und so ehrlich! Ich habe leider auch aufgegeben und mich wieder meinem Herzensprojekt dem Design hingegeben. Das bringt mehr, ich bestimme, wem und wann ich Rabatt gebe und nicht DW…
    Du machst das schon! Mach weiter so!
    Liebe Grüße aus Hamburg
    Martina.

  6. Ahoi aus Kiel nach langer Zeit mal wieder!
    Deinen Text hier habe ich über die DW-Goldschmiedegruppe gefunden – es spricht mir sowas von aus der Seele. Mein „nein“ bezieht sich in diesem Jahr darauf, dass ich zum Jahresende die (DaWanda) Plattform komplett verlassen werde.
    Zu vieles passt nicht mehr…
    Ich wünsche Dir eine wunderbare Weihnachtszeit!
    Die Foto`s machen schon richtig Stimmung!
    Liebe Grüße,
    Meike

  7. Hallo, Andiva!
    In unserer Dawanda-Goldschmiedegruppe wird dein Artikel schon verlinkt, da sprichst du vielen, vielen aus der Seele. Und auch noch so schön formuliert.
    Es ist ja aber eben neben dem inneren Ärger auch einfach nur traurig. Das hat man diese Ideale, kann sei umsetzten, hat Ideen, Freude, Herzblut…
    Und dann kommt der Fakt, daß Alle – ich, Dawanda, Ikea usw. – in dieser Wirtschaft überleben wollen.
    Und ich hab mich heute wieder erwischt, wie ich versucht habe, den billigsten Blattspinat zu kaufen… Warum nur?
    Das Etsy-Kennlernpaket mit Wohlfühlgarantie könnte ich allerdings auch gut gebrauchen… Um einen Vergleich zu haben.

    Liebe Grüße und Danke
    Cynthia

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