Die Sache mit dem KunstHANDwerk

:Achtung enthält die Meinung der Schreiberin:

Es ist schon wieder ein halbes Jahr ins Land gegangen als ich gerade durch die Meldung, daß die Onlineplattform Dawanda im August vom Netz geht, gemerkt habe, das ich euch noch gar nicht geschrieben habe warum ich meinen Laden letztendlich zu gemacht habe.

Mal von vorne. Quasi ein kleiner Rückblick.
Vor 10 Jahrem, also 2008, habe ich, angeschubst durch wichtige Menschen in meinem Leben ein Kleingewerbe angemeldet und mich im Juni 2008 dann rangetraut und einen Shop bei eben diesem oben genannten Anbieter eröffnet.
Angefangen hab ich mit Schmuck ganz nach Andivaart, aus Feinsilber, aus Treibhölzern, Filz, Glasperlen und auch Halbedelsteinen und quasi fast gleichzeitig mit den ersten handgefilzten Wärmflaschenhüllen, Handytaschen und bald auch Riesenfilzkieseln. So nebenbei hat sich dann mein Stempelsortiment eingeschlichen, vor allem Namensstempel für Kinder waren der Renner und haben dazu geführt das ich mehrere hundert Namensstempel von Hand geschnitzt habe.

Seeigelschmuck
Schmuck aus Feinsilber – Meine heißgeliebten Seeigel

Wärmflaschenvögel
Handgefilzte Wärmflaschenvögel

Filzkiesel Jun 13 2013-07-12
Messesteine
Riesenfilzkiesel.. ein ganzes Auto voll für einen Messeaussteller

WEihnachtschaos 2014-12-022
handgeschnitzte Namensstempel

Irgendwann kamen dann noch wilde Schlüsselbretter aus Treibholz und auch die recht beliebten Klupperlhochzeitskarten dazu.

Brettlfisch 2013-08-162
Schlüsselbretter

Glupperlpaare 2013-07-19
Hochzeitskarten mit Glupperlpaaren
Hokarten 2014-05-23
Natürlich auch für gleichgeschlechtliche Paare

Und auch die Sachen aus Ton durften nicht fehlen.

Dosen 2015-03-142
Gefäße aus Ton
Tonofen 017
Ringschalen aus Ton

Insgesammt hab ich in den 10 Jahren also gut 1500 Dinge hergestellt und die meisten davon auch online verkauft, Kontakte zu vielen tollen Käuferinnen in vielen Teilen der Welt gehabt und allerhand spannendes erlebt.
Gefilzt bis in die Nacht und bis die Hornhaut an Händen und Füßen weg war (die Kiesel), Dinge gesammelt und verarbeitet, Stempel zwischen Abendessen und Telefonaten mit Freunden geschnitzt….
Nebenbei hatte ich ja auch noch eine reguläre 35 Stunden Stelle als Ergotherapeutin.

Und warum dann jetzt nicht mehr?
Irgendwann vor gut zwei Jahren kam die Kündigung in meinem Hauptjob. Was mach ich jetzt?? war die große Frage.
Bei aller Arbeit, die drin steckt in den handgemachten Dingen, meinen Lebensunterhalt hätte ich zu keinem Zeitpunkt damit bestreiten können. Es war vielmehr immer ein mich und meine Kreativität ausleben und Menschen die Freude daran haben die Möglichkeit zu geben ein Stück davon erwerben zu können.

Ich hab mich selbständig gemacht mit meiner eigenen Ergotherapiepraxis. Und gedacht ich mach mein Nebengewerbe nebenbei weiter…
Ging auch, aber natürlich nicht mehr mit so viel Zeit wie vorher. (So eine Praxis ist auch ein bischen Arbeit und schluckt doch viel, viel Zeit)

Soweit so gut. So hätte es auch gerne noch ein bischen weiter gehen können, denn im Grunde hatte ich auch 10 Jahre lang viel Freude mit dem herstellen meiner Sachen.

Und dann kam, im Vorweihnachtsgeschäft 2017, wo ich nochmal ein bischen mehr Zeit in die ganzen Geschichten gesteckt habe – eine Abmahnung.
Von wem?
Nein nicht von einem Geschädigten, das wäre ja meiner Ansicht nach berechtigt gewesen – auch wenn man immer erst mal den Weg des miteinander komunizierens wählen kann – und sich damit auch vieles aus der Welt schaffen lässt-
nein, die Abmahnung kam von einem Abmahnverein. (ja sowas gibt es wirklich. Fragwürdig.)
Der es sich zu Nutze macht das Gesetz so zu nutzen das sich damit das man (so bei mir) eine freundlich gemeinte Information bzgl. der Versandkosten ins Ausland an potenzielle Kunden ein unlauterer Wettbewerb entsteht und mir ein Vorteil gegenüber Mitbewerbern entsteht der abmahnfähig ist.
Und damit ganz uneigennützig von diesem Verein abgemahnt wird. Mit Unterlassungserklärung.

Fragt nicht.
Ist so.

Kann man machen. Als Verein der über Anwälte so seine Einnahmen generiert. Ob das moralisch vertretbar ist, wenn niemandem ein Schaden entstanden ist… das ist eine ganz andere Sache. Vor unserem Gesetz in Deutschland ist es momentan möglich -und damit für viele kleine Onlinehändler existenzgefährdend.
So kostet der Spaß ohne einen eigenen Anwalt einzuschalten irgendwas um die 250€ und mit einem Anwalt einen Hunderter mehr.
Kann man sich ausrechnen, was sich da lohnt. Oder wer da noch was verdient.
Ich nicht. Soviel sei verraten. (Und, das weiß ich inzwischen aus sicherer Quelle, nach unterschriebener Unterlassungserklärung werden bei nichteinhalten aller Regeln die gefordert werden schnell mal 3000 €uro.)

Das Ganze hat mir dann scho einfach die Lust an der ganzen Geschichte gründlich verhagelt.
Es ist nicht nur das Herstellen der Dinge die ich anbiete, da kommt noch die Kommunikation, der Versand, der Bürokram, das prüfen der Geldeingänge, das immer wieder belesen über die aktuelle Rechtslage (ja die Datenschutzverordnung kommt auch noch dazu….) das anpassen, das bewerben, die Individualisierungen und und und… dazu.

Und dann? Hab ich kurz vor Weihnachten erst mal meinen Laden zu gemacht. Wollte (nachdem ich den Schmarrn gezahlt habe) mal durchatmen. In mich reinhorchen und überlegen wie ich weitermachen will.

Und hab gemerkt – der Onlinehandel und ich, das wars. Am Ende ist bei aller Freude und aller Begeisterung fürs Handwerk einfach zu wenig übrig geblieben. (Das Finanzamt und der Steuerberater möchten ja auch immer noch ein Stück von dem bischen) Ja am Ende soll sich das auch lohnen.
Erst hab ich gehadert, aber jetzt ist es durch.
(Und die Tatsache das die deutsche Onlineplattform für handgemachtes Ende August ihre Tore schließt machts nicht besser)

Es war schön, hat mich viel erleben und an den Dingen wachsen lassen, ich geh nicht ohne eine Träne im Knopfloch…
Es gab viele abenteuerliche Momente in den letzen 10 Jahren, die eigene Blogartikel wert wären (das Kieswerk, die Stempel für die historischen Grabungen, die 15 gleichen Krippenstempel für die WFB im August, die spannenden Anfragen und daraus entstandenen Aufträge… ich hab es echt gemocht.

Was aus meiner Werkstatt wird kann ich noch nicht sagen.. und wer mich offline finden will der wird mich finden… gibt ja auch noch Telefon und Post…

So mach ich jetzt das Kapitel Onlineshop endgültig zu und werde in der Form nicht mehr auftauchen wie es aussieht…
Ich möcht mich aber nochmal bei denen bedanken die mir als Kunden treu waren, die mich unterstützt haben und die die letzten 10 Jahre zu sehr spannenden Onlineshopjahren gemacht haben. Mille Grazie.

Und auf dem Blog – na da geht es ja schon länger nicht mehr so rund. Liest hier eigentlich noch jemand mit?

Ich lass euch wissen was ich so mache, gerne immer mal wieder wohin ich verreise, womit ich meine Nichte und die Patenkinder benähe und bewerkel. Und was mir sonst noch so einfällt.

Und der Fisch schwimmt auch nch ein bischen… jeden ersten Freitag im Monat.

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